• Claudia Wagner

Die Kontexterei steht für bewusste Kaufentscheidungen mit emotionaler Tragweite


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Liebe Freunde und liebe Freudinnen der Kontexterei Rauris und des kontextens.

Die letzten drei Monate war hier im Blog Pause. Das hatte einen Grund. Wir waren sehr damit beschäftigt den Musterkoffer der textilen Produktion der Kontexterei zu erstellen und wir waren damit beschäftigt die Kontexterei in der Markstraße 33 in eine ordentliche Mietkooperation zu bringen und soweit zu gestalten, dass wir nun darin arbeiten können. Die Kontexterei ist ein Ort, der mit ihren Menschen wächst. Sie unterscheidet sich von Geschäften, die dem klassischen Handel dienen und sie unterscheidet sich von Werkstätten, in denen hinter geschlossenen Türen produziert wird. In der Kontexterei wird geplant, entworfen, produziert, administriert und verkauft. Außerdem trifft man sich hier zu allen Fragen rund ums Textile. Vom Lernen und Lehren, Herstellen übers Reparieren bis hin zum Upcyclen (aus alt mach neu). Alt und neu ist überhaupt ein Motto der Kontexterei. Hier verbinden wir in den Gewölben des 1562 erbauten Landrichterhauses das sehr alte Wissen und die Fähigkeiten ums textile Handwerk (beginnend in der Steinzeit) mit neuem Design und neueren technischen Möglichkeiten.

Ich habe lange und oft darüber nachgedacht: Wie kann das wirtschaftlich gehen? Mit einem Handwerk, das so viele von Menschen ausgeführte Arbeitsschritte braucht, bis ein Kleidungsstück fertig zum Tragen und Nutzen ist. Jetzt, wo in Mitteleuropa die menschliche Arbeitskraft anscheinend nicht bezahlbar scheint. Vermutlich ist deswegen die Arbeitslosigkeit immer wieder ein großes Thema – individuell und strukturell.

In der Kontexterei haben wir uns für den Weg zu perspektivisch 100% regionaler Fertigungstiefe entschieden. Ein Weg, der für jede Begabung einen Arbeitsplatz bereit hält und der für wirtschaften und einkleiden (lat. investire) zum Eigenwohl und Gemeinwohl gleichermaßen sorgt. Mit der Vielschichtigkeit und Vieldimensionalität der Angebote und Mitmachmöglichkeiten der Kontexterei kann das gelingen. Dieses Gelingen liegt auch an Dir. Wenn viele Menschen mit anpacken - ob als HandwerkerInnen, LehrerInnen, Vereinsmitglieder, als StammtischlerInnen, als LobbyistInnen, als UnterstützerInnen im Freundeskreis und als KundInnen - und wenn diese Menschen in eine Richtung gehen dann hat das strukturelle Folgen. Jeder Mensch kann in jedem Moment einen Beitrag zu einer Wirtschaft, von der alle was haben, leisten.

Und dann noch ein für mich großes Thema .... ICH WILL MENSCHEN NICHT ZUM KAUF VERFÜHREN. Niemand sonst kennt und nutzt die Psyche und Natur des Menschen und der Gesellschaft so gut wie die aktuelle Marketingindustrie und der Handel. Subtil, sehr präzise und punktgenau werden hier jene Knöpfe gedrückt, die den Menschen kaufen lassen. Die den Menschen immer mehr kaufen lassen als sie brauchen. Die den Menschen immer neues kaufen lassen, obwohl bestehendes noch gut seine Funktion erfüllt. Und die den Menschen Dinge kaufen lassen, die schon früher kaputt gehen, als es eigentlich sein müsste (geplante Obsoleszenz).

Das ist ein Dilemma, wenn man in der heutigen Zeit ohne Tricks hinsichtlich Produktionskreislauf und Marketingstrategien verkaufen möchte. Dann hab‘ ich überlegt, wie ist das denn bei mir? Wie ist der Ablauf wenn ich einkaufe? Voraussetzung für meine Kaufentscheidung ist, dass ich etwas brauche ... Kleidung, Lebensmittel, Geräte .... dann schau ich, ob ich so etwas vielleicht doch irgendwo in meinem Umfeld habe (und es zum Beispiel vielleicht nur reparieren muss) oder ob ich es vielleicht auch ausborgen kann .... von jemandem der es zurzeit nicht braucht. Gibt’s da keine Lösung, kaufe ich. Dann kommen die Fragen: Was brauche ich genau? Welche Funktion muss es haben? Und gefallen soll es mir auch. Dann beginnt die Recherche. Was gibt es da auf dem Markt? Welches Material, wo ist es hergestellt, wie ist die Qualität der Verarbeitung, was passiert damit, wenn ich es nicht mehr brauche? Wie ist der Preis, kann ich es mir leisten? Eins ist klar: Ich kaufe regional. Kaufe ich nicht regional, dann bezahlen wir das in den kommenden Jahren und Jahrzehnten, wenn die Begegnung im lokalen Nahversorger, ob Lebensmittel, Schmied, Schuster, Elektriker, Installateur, Post, Tischler, Bäcker, Trafikant oder Schneiderei ins Internet verlagert sind. Wenn Arbeitsplätze hauptsächlich an den Schreibtischen, vor den Bildschirmen dieser Welt, stattfinden. Wenn ich es dann gefunden habe, was ich brauche, wenn ich weiß wer es gemacht hat, woher es kommt und wenn das Ganze zur Funktion und meiner Vorstellung von Qualität und Ästhetik passt und ich es mir leisten kann, dann freue ich mich sehr! Dieser Ausgang meines Kauferlebnisses ist bei mir zurzeit leider eher selten, aber es kommt vor.

Wir von der Kontexterei und die Kunden der Kontexterei stehen auf bewusste Kaufentscheidungen (= klarer Verstand) mit emotionaler Tragweite (= tiefgehende Freude). Du auch?

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